Ö-quadrat - Ökologische und ökonomische Konzepte

Die Erfolgsbilanz von Solar&Spar

Mit dem offiziellen Projektende im Jahr 2025 hat Solar&Spar einen wichtigen Meilenstein erreicht – und das äußerst erfolgreich. Durch die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen und den Bau von PV-Anlagen an vier Schulen, wurden über die Projektlaufzeit ca. 32 Mio. kWh Strombezug vermieden und 56 Mio. kWh Wärme und über 10 Mio. Euro Energiekosten eingespart. Die vermiedenen Treibhausgasemissionen von 40.000 Tonnen CO₂ entsprechen weitere rund 12 Mio. Euro vermiedenen Klimafolgekosten. Doch die umgesetzten Maßnahmen wirken weiter über den Projektabschluss hinaus. Das Einsparkraftwerk liefert dauerhaft Einsparungen für die Kommunen, und die erzielte Klimaschutzwirkung setzt sich Jahr für Jahr fort. Dennoch ist das offizielle Projektende ein guter Zeitpunkt für einen Rückblick auf 25 Jahre Klimaschutzprojekte an Schulen.

Der Vorläufer von Solar&Spar

Bereits im Jahr 1998 entstand an der Staudinger Gesamtschule in Freiburg unter Leitung von Büro Ö-quadrat das bundesweit erste Performance Contracting Modell mit Bürgerbeteiligung zur Energieeinsparung an Schulen. Der Ansatz verband konkrete Effizienzmaßnahmen (u. a. Beleuchtung, Heizungs-/Lüftungsregelung, Pumpen, Wassereinsparung) und eine Solaranlage mit einer Finanzierung über privates Kapital aus der Region, vorwiegend aus dem Schulumfeld, also Eltern, Großeltern und Lehrkräfte. Durch die Effizienzmaßnahmen wurden deutliche Einsparungen bei Wärme, Strom und Wasser erzielt. Die Energie- und Wasserkosteneinsparung von über 674.000 Euro bis zum Projektende im Jahr 2007 wurde dazu benutzt, die Beteiligungsdarlehen verzinst zurückzubezahlen. Dabei war die Rendite der Geldgeber auf 6 Prozent begrenzt. Die Schule wurde mit einem jährlichen Erfolgsbonus von 10.200 Euro am Einsparerfolg beteiligt.

Von der 100.000 Watt-Solar-Initiative zu Solar&Spar

Aus dem Freiburger ECO-Watt-Projekt – dem frühen „Einsparkraftwerk“ mit Bürgerbeteiligung, das zeigte, dass sich Investitionen in Effizienz über reale Einsparungen refinanzieren lassen – entstand der nächste Entwicklungsschritt: Im Jahr 2000 wurde auf Basis dieser Erfahrungen mit Unterstützung des Landes NRW und dem Wuppertal Institut die „100.000 Watt-Solar-Initiative für Schulen in NRW“ konzipiert, aus der die Solar&Spar-Projekte hervorgingen. Die Innovation lag in der einfachen, einprägsamen Kopplung von „Sparen + Solar“: Pro Schüler*in sollten 50 Watt Solarleistung installiert und gleichzeitig 50 Watt Beleuchtungsleistung eingespart werden. So wird aus einzelnen Maßnahmen ein Gesamtprinzip, das Technik, Finanzierung und Beteiligung zusammenbringt.

Solar&Spar hat die technischen Maßnahmen als Lernanlass genutzt und damit BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) direkt in den Schulalltag geholt: Effiziente Technologien wie Beleuchtung werden sichtbar, Einsparungen messbar und Klimaschutz greifbar. Schülerinnen und Schüler können an „ihrem“ Einsparkraftwerk nachvollziehen, wie Verhalten und Technik zusammenwirken – vom Stromverbrauch im Klassenraum bis zur Erzeugung auf dem Dach. So wird das Projekt nicht nur eine Innovation in der Gebäudetechnik, sondern auch ein praktisches Reallabor, das Kompetenzen für verantwortungsvolles Handeln stärken kann – und die ganze Schulgemeinschaft umfasst. Auch die Bewerbung des Eigenkapitals war bereits ein Bildungsbeitrag für nachhaltige Entwicklung, da mit den kleinen Prospekten die Effizienzpotentiale in den Schulen dargelegt und ihre Wirtschaftlichkeit belegt wurden.

Die konkreten Einsparungen

Solar&Spar wurde an vier Schulen als Reallabor umgesetzt – am Aggertal-Gymnasium in Engelskirchen, am Willibrord-Gymnasium in Emmerich, an der Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen und an der Europaschule Köln. Über alle Standorte hinweg ist daraus ein echtes „Einsparkraftwerk“ entstanden: Durch Sanierung, moderne Technik und Solarstrom sank der Energiebedarf spürbar, und über die Laufzeiten wurden große Mengen an Strom- und Wärmeverbrauch vermieden. Besonders deutlich zeigte sich das beim Strombezug, der an allen vier Schulen nach der Umsetzung wesentlich niedriger lag als zuvor – ein messbarer Gewinn für Klimaschutz und Schulbudgets, der auch nach Projektende weiterwirkt.

  • Über 3,5 Mio. € Gesamtinvestitionen.
  • Davon rund 2,0 Mio. € Bürger*innen-Kapital (Bürger-Contracting).
  • Eingesparter Strombezug: 32 Mio. kWh
  • Eingesparte Wärme: 56 Mio. kWh
  • Über 40.000 t CO₂ vermieden
  • Rendite von 6–10 % für Bürger*innen-Kapital
  • PV auf den Schuldächern: insgesamt 140 kWp installierte Leistung (zur damaligen Zeit ein wesentlicher Beitrag zur PV-Entwicklung)
  • Die Schulen wurden mit insgesamt 850.000 € am Projekterfolgt beteiligt, und konnten diesen Betrag u.a. für BNE-Maßnahmen oder zur Verschönerung der Schule verwenden
  • Die Städte (Schulträger) wurden während der Projektlaufzeit mit rund 800.000 Euro an den Einsparungen beteiligt und profitieren nach Ablauf der Vertragslaufzeit im gesamten Umfang der Einsparungen.

Mit dieser durchweg positiven Bilanz wurden das Solar&Spar Projekt zum Ende des Jahres 2025 offiziell abgeschlossen. Mit Ende der Vertragslaufzeiten profitieren die Schulträger jetzt in vollem Umfang von den umgesetzten Effizienzmaßnahmen.

Klimaschutz gemeinsam planen

Im Zuge der Fridays-for-Future-Bewegung 2019 wurde deutlich, wie groß der Wunsch vieler Schülerinnen und Schüler ist, Klimaschutz nicht nur zu fordern, sondern selbst aktiv mitzugestalten. Wissenschaftlerinnen des Wuppertal Instituts und des Büro Ö-quadrat haben dieses Momentum aufgegriffen und daraus Schools4Future entwickelt: ein Projekt, das noch stärker auf die Zusammenarbeit mit engagierten Schüler*innen setzt. Im Rahmen des Projektes wurden in den Schulen gemeinsam mit Schüler*innen CO₂-Bilanzen erstellt und daraus Klimaschutzkonzepte abgeleitet. Damit stehen BNE und messbare Klimaschutzwirkung gleichwertig nebeneinander – Lernen, Beteiligung und konkrete Emissionsminderung greifen ineinander.

Gefördert wurde das bundesweite Pilotprojekt von 2020-2023 durch das damalige Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms. In dem bundesweiten Projekt wurden insgesamt zwölf Pilotschulen auf ihrem Weg zur Klimaneutralität begleitet und Klimaschutz im Schulalltag verstetigt.

Vom Pilot in die Breite

Wie geht es weiter? Nach dem erfolgreichen Abschluss der Pilotphase wird derzeit aktiv nach passenden Fördermöglichkeiten gesucht, um Schools4Future weiterzuentwickeln und in die Breite zu bringen. Ziel ist es, die erprobten Werkzeuge und Methoden zur CO₂-Bilanzierung und zur Erstellung von Klimaschutzkonzepten zu professionalisieren, weiter zu digitalisieren und auf weitere Schulen zu übertragen – damit aus einzelnen Piloten ein skalierbares Programm wird, das BNE und messbare Klimaschutzwirkung dauerhaft im Schulalltag verankert.

Ansprechpartner
Dr. Sebastian Albert-Seifried
Büro Ö-quadrat
Turnseestr. 44
79102 Freiburg
Tel. 0761-70773279
E-Mail