Das erfolgreichste Klimaschutz- und Effizienzprojekt der Bundesregierung
Im Jahr 2026 erreicht der Stromspar-Check einen historischen Meilenstein: Eine halbe Million einkommensschwache Haushalte werden bis dahin besucht, beraten und mit effizienten Sofortmaßnahmen ausgestattet worden sein. Tausende ineffiziente Lampen werden ersetzt, Wasser- und Wärmespartechnik installiert und heimliche Energiefresser identifiziert worden sein. Rund 150 Mio. Euro an kumulierten Energie- und Wasserkosteneinsparungen werden dann in der Projektbilanz stehen – ein sozial-, klima- und wirtschaftspolitischer Erfolg.
Wie alles begann
Am 16. Januar 2008 – in einer Phase drastisch steigender Energiepreise – kündigte der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in der Tagesschau an, die Stromkosten für ärmere Haushalte senken zu wollen. Am Folgetag trat Dieter Seifried, Geschäftsführer von Büro Ö-quadrat, mit einem alternativen Vorschlag an das Ministerium heran: Nicht Strompreise senken, sondern den Stromverbrauch reduzieren. (Die ab Januar 2026 subventionierten Industriestrompreise werden Effizienzmaßnahmen im großen Umfang unwirtschaftlich werden lassen. Und genauso problematisch: Fotovoltaik-Anlagen auf gewerblichen Dächern werden verhindert.)
Konkret: Er schlug ein Pilotprojekt vor, das durch Direktinstallationen von Strom- und Wassersparmaßnahmen die Energiekosten in Hartz-IV-Haushalten spürbar reduziert. Im Ministerium fand er mit Wolfgang Müller einen engagierten Unterstützer. In ungewöhnlich kurzer Zeit wurde ein Pilotversuch in den Städten Freiburg und Berlin gestartet. Die Energieagentur Regio Freiburg unter ihrem damaligen Leiter Rainer Schüle hatte mit ihrer Expertise und Beratungserfahrung von Haushalten beste Voraussetzungen für den Feldversuch, die Berliner Energieagentur die notwendige Nähe zu den Bundesministerien. Das Büro Ö-quadrat erarbeitete das Konzept und bewerkstelligte die wissenschaftliche Begleitung.
Der Pilotversuch – ein Reallabor
Schon im Jahr 2008 wurden in Hartz-IV-Haushalten, die sich für das Projekt angemeldet hatten, ineffiziente Glühlampen ersetzt, Stand-by-Verluste durch Steckerleisten reduziert und versteckte Stromfresser identifiziert. Zusätzlich wurden durch Wasserstrahlregler, WC-Stopp-Gewichte und Sparduschköpfe spürbare Wassereinsparungen erzielt.
Die Kosten der eingesetzten Technologien lagen dabei deutlich unter den Stromerzeugungskosten und betrugen nur einen Bruchteil der Stromtarife der Haushalte (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Kosten pro eingesparte kWh Strom im Rahmen des Hartz-IV Soforthilfenprogramms.
Die größte Wirkung jedoch erzielte der Austausch alter Kühl- und Gefriergeräte. Haushalte konnten dank eines innovativen Finanzierungsmodells zu hocheffizienten Geräten wechseln:
- Beim Kauf eines hocheffizienten Gerätes gab es einen Zuschuss in Höhe des halben Kaufpreises (maximal aber 300 Euro), der im Rahmen des Projektes finanziert wurde
- Mikrokredit zur Deckung der Restkosten, mit sehr attraktiven Bedingungen (2% Zins). Die Raten zur Rückzahlung des Mikrokredits lagen dabei deutlich unterhalb der Stromkosteneinsparungen
Die gemessenen Einsparungen waren beeindruckend: Durchschnittlich 562 kWh pro Jahr, oft sogar mehr, wenn Kühlschrank und Gefriertruhe durch ein kombiniertes A+++-Gerät ersetzt wurden.
Abbildung 2: Kosteneinsparung und Geldfluss bei Einbezug eines Ratenkredites beim Austausch des alten Kühlgerätes durch ein hocheffizientes Gerät.
Abbildung 3: Durchschnittliche Auswirkungen des Stromspar-Checks auf die teilnehmende Haushalte, die ein Kühl- oder Gefriergerät ausgetauscht haben. (Quelle: Büro Ö-quadrat 2008)
Der Pilot wurde bereits im Herbst 2008 erfolgreich abgeschlossen und dem Umweltministerium vorgestellt. Büro Ö-quadrat erhielt den Auftrag, das Projekt weiterzuentwickeln.(Seifried, D.; Schüle, R.; Richter, E. Hermann, L. Kallmann, K.: Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen in Hartz-IV-Haushalten. Freiburg/Berlin 2008. Gefördert durch: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU))
Vom Pilotprojekt zum bundesweiten Programm
In der Konzeptionsphase gelang es Büro Ö-quadrat, zwei starke Partner zusammenzuführen, den Deutschen Caritasverband e.V. (DCV) und den Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschland (eaD) e.V..
Der DCV e.V. gewährleistete den Zugang zu einkommensschwachen Haushalten. Der Caritasverband Frankfurt e.V. hatte schon etwas früher zusammen mit dem Energiereferat der Stadt Frankfurt das Projekt Energiesparservice in einer Pilotphase entwickelt. In diesem Projekt wurden geeignete Langzeitarbeitslose zu Stromsparhelfern ausgebildet, die Harz-IV-Haushalte zur Strom- und Energieeinsparung berieten. Mit der Caritas als Türöffner, konnten die Stromsparhelfer „auf Augenhöhe“ einkommensschwache Haushalte Tipps zum Strom- und Wassersparen geben. Allerdings konnte nur beraten und die Effizienzmaßnahmen nicht direkt installiert werden. In guter Kooperation mit Herrn Ulrich Schäferbarthold vom Caritasverband Frankfurt und dem damaligen Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Georg Cremer, konnte das Konzept weiterentwickelt und schließlich umgesetzt werden.
Damit die Stromsparberater auch Direktmaßnahmen selbst durchführen konnten, entwickelten Büro Ö-quadrat und Energieagentur Regio Freiburg Trainingskonzepte für Langzeitarbeitslose und ein umfassendes Handbuch (Seifried, D.; Schüle R., Richter, E.: Handbuch für Stromsparhelfer, Freiburg 2009) zu deren Qualifikation zu Energiesparhelfern. Vom Graphik- und Design Büro triolog wurde das Erscheinungsbild der Kampagne entwickelt. Mit der Caritas als Türöffner und den umfangreichen Schulungsunterlagen konnten anschließend die Stromsparhelfer „auf Augenhöhe“ in einkommensschwachen Haushalten Direkthilfen installieren und Tipps zum Strom- und Wassersparen geben. Die Mitglieder des eaD e.V. sorgten an ihren Standorten als Landes- und Regionalagenturen für ein Ausrollen des Projektes und die Durchführung der Beratungsleistungen sowie für die Dokumentation der Ergebnisse.
Die Projektpartner arbeiteten mit großem Engagement und bereits im Februar 2009 waren auf der Landkarte 23 Standorte markiert, die beim Stromspar-Check mitmachten.
In dieser ersten Phase des Bundesprojektes war der Kühlschranktausch allerdings noch nicht möglich – er wurde vom Bundeswirtschaftsministerium nicht freigegeben.
Parallel zum Aufbau der Projektstrukturen entwickelte Büro Ö-quadrat gemeinsam mit der Energieagentur Regio Freiburg eine Datenbank zur lückenlosen Dokumentation aller Maßnahmen – was sich später als ein entscheidender Erfolgsfaktor darstellte.
Abbildung 4: Erscheinungsbild der Kampagne Stromspar-Check. Quelle: Broschüre Stromspar-Check für einkommensschwache Haushalte. Herausgeber: Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands e.V., Redaktion: Dieter Seifried Büro Ö-quadrat, Jürgen Leuchtner triolog.
Evaluation und Weiterentwicklung
Eine wissenschaftliche Evaluation des Forschungszentrums für Umweltpolitik der FU Berlin bestätigte 2012(Dr. Kerstin Tews Forschungszentrum für Umweltpolitik/FU Berlin: Evaluierung des Projektes „Stromspar-Check für einkommensschwache Haushalte“ Ergebnisse zur erzielten Energieeinsparung/Klimawirkung in Phase 1 und 2 (2008-2010).):
- Die Projektziele wurden voll erreicht,
- der Stromspar-Check sei ein „erfolgreiches Projekt hinsichtlich der Zielerreichung und öffentlichen Wahrnehmung“,
- und habe „Modellcharakter hinsichtlich der Verknüpfung sozialer, beschäftigungspolitischer und klimapolitischer Ziele.“
Mit einem weiteren Dienstleistungsauftrag des BMU begleitete Büro Ö-quadrat ab 2013 den Stromspar-Check PLUS, der 62.000 Haushalte erreichen und Energie- und Wasserkosteneinsparungen von 48 Mio. Euro erzielen sollte.
Ein beispielloser Erfolg
Bis Ende 2025 wurden über 475.000 Haushalte beraten. Die durchschnittliche Einsparung beträgt pro Haushalt circa 300 Euro pro Jahr. (www.stromspar-check.de)
Dazu kommt ein positiver Klimaschutzeffekt: Seit den Anfangsjahren konnten über 970.000 Tonnen CO2 Emissionen vermieden werden.
Jede vermiedene Tonne CO2 verhindert gemäß Umweltbundesamt Klimaschäden von rund 300 Euro – allein die Einsparungen an Klimaschäden übertreffen die Projektkosten der Bundesregierung deutlich.
Eine gemeinsam von Öko-Institut und Büro Ö-quadrat durchgeführte volkswirtschaftliche Analyse (Griesshammer, R., Seifried, D.: Bericht im Rahmen des Vorhabens „Energieeffizienter Klimaschutz bei Produkten“, (Öko-Institut, Büro Ö-quadrat 2012)) bestätigte: Der Stromspar-Check ist gesamtwirtschaftlich kosteneffizient – besonders mit dem integrierten Kühlschranktauschprogramm.
Für viele einkommensschwache Haushalte bedeutete das Projekt nicht nur eine Kosteneinsparungen, sondern auch die Vermeidung von Stromsperren und damit den Schutz vor existenziellen Notsituationen.
Warum das Projekt erfolgreich ist
- Weil es sozial gerechte Energieeffizienz sichtbar macht und statt einer Strompreissenkung direkte Effizienzmaßnahmen umsetzt.
- Weil es systematisch dokumentiert ist, die Wirkung gemessen und von unabhängiger Seite geprüft wird und alle Angaben transparent sind.
- Weil engagierte Organisationen – Caritas, Energieagenturen, lokale Akteure – gemeinsam handeln.
- Weil ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht gegeneinander ausgespielt, sondern miteinander verknüpft wurden.
Der Stromspar-Check zeigt eindrucksvoll: Effizienz lohnt sich – für Menschen, für das Klima und für die Volkswirtschaft. Der Stromspar-Check ist ein Projekt das klimaGerecht , sozial wirksam und ökonomisch sinnvoll zugleich ist.
Wir gratulieren allen Stromspar-Checkerinnen und -Checkern, den Caritas-Mitarbeitenden, den Energie- und Klimaschutzagenturen und den beteiligten Haushalten. Ihr Einsatz hat Maßstäbe gesetzt.
Ansprechpartner
Dipl. Ing. Dieter Seifried
Büro Ö-quadrat
Turnseestr. 44
79102 Freiburg
Tel. 0761-707 9901
E-Mail



